14+2+6+11=
Exhibition at the Salzburger Kunstverein 2004
Mit dicken Strichen
entfern' ich mich wieder
aus der Welt.
Ich war ja schon schraffiert.
Gummiradiert, bröselig,
ausgeliefert dem Lichteinfall.
Nie abgezirkelt,
kein süßer Punkt, nur
eine graphitene Selbstbezichtigung
vor einem stumpfen Winkel.
(Peter Truschner)
In seinen Zeichnungen und Gemälden thematisiert Johannes Steidl kreatürliche Befindlichkeiten.
Die Arbeiten pendeln zwischen (symbolhafter) Darstellung und ins Bild gesetztem freien Gestus,
ihre Aussage bewegt sich zwischen Allgemeinem und Konkretem. In rasch ablaufendem Malvorgang
wird unmittelbar Erfasstes skizziert, in kräftigen oder auch fragileren Stricharten.
Bevorzugter Topos von Johannes Steidl sind Köpfe bzw. die menschliche Figur.
Im Rahmen der ersten Ausstellung der Serie im Kabinett führt er seinen momentanen "Stand der Dinge"
vor: Sechs großformatige Tuschezeichnungunge auf Packpapier und 35 kleinere grafische Arbeiten in Kohle.
(Ulrike Matzer)
Geübt im Ausrichten beeindruckender Rauminstallationen machte Johannes Steidl mit der "Inszenierung"
einer Kabinettausstellung den Auftakt: Mit breitem Pinsel lavierte kräftige Tuschzeichnungen und kleinformatige
Kohlearbeiten waren (schwarz gerahmt) blockartig streng gehängt. Spontane Zeichnung als ursprüngliche Form der
künstlerischen Äußerung bedeutet für Steidl eine Vergewisserung seiner Ausdrucksmöglichkeiten, hilft ihm beim
allmählichen Lösen von figuralen Vorstellungen. Der Titel 14+2+6+11=, eine offene Gleichung, steht für das Verwiesensein
auf sich selbst beziehungsweise für den Versuch, auf das Eigentliche hinzuführen. Kreatürliche Befindlichkeiten und die dunkle
Seite des Lebens sind dabei ein durchgängiges Thema in seinen Arbeiten: Grenzerfahrungen am Rande des Wahnsinns, der
Dualismus von Tag und Nacht, Traum und Wirklichkeit, wobei immer auch Aspekte der Gefahr (des Künstlerdaseins) zum
Ausdruck kommen.
(Ulrike Matzer)
Well versed in accomplishing imposing room installations, Johannes Steidl started off the series of exhibitions with an Inszenierung
(staging) in the Cabinet. Vigorous ink drawings with wide-brush washes and small format charcoal works were hung strictly, block-like
and framed in (black). For Steidl, spontaneous drawing, as the original form of artistic expression, means confirming his possibilities
of making a statement and it helps in his gradual liberation from figurative ideas. The title 14+2+6+11=, an open equation, stands for
being referred to oneself or the attempt to lead towards the essential. Creature states and the dark side of life are a recurring theme
permeating his whole work. Borderline experiences on the brink of insanity, the dualisms of day and night, dream and reality, whereby
aspects of danger (relating to the artist's existence) are also expressed.
(Ulrike Matzer)